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Öl- und Gasfördertechnik Fracking: Boom oder „Boom“erang für Deutschland?

Öl- und Gasfördertechnik Fracking

Boom oder „Boom“erang für Deutschland?

Für die einen ist es der wirtschaftliche Heilsbringer, für die anderen reine Umweltverschmutzung: Fracking. Die Bohrtechnik zur unkonventionellen Förderung von Gas und Öl aus tiefen Gesteinsschichten polarisiert, ist aber ebenso verlockend wie umstritten. Immerhin hat Fracking der US-Wirtschaft einen unverhofften Boom und niedrige Energiepreise beschert. Doch in Deutschland regt sich auf breiter Front massiver Widerstand – zu Recht?

Was genau ist Fracking überhaupt?

Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Chemikalien und Stützstoffen unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst. Dadurch werden millimetergroße Risse erzeugt, die sich in der öl- oder gasführenden Schicht horizontal ausbreiten, was das Gestein durchlässiger macht. Schieferöl oder -gas wird so freigesetzt und kann an die Oberfläche geleitet werden.

Deutschland verfügt über ein bedeutendes Potenzial an Schiefergas. Das ist das Ergebnis einer Mitte 2012 veröffentlichten Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Demnach werden die nach heutigem technologischem Stand förderbaren Mengen Schiefergas auf 0,7 bis 2,3 Billionen Kubikmeter geschätzt. Die Größe dieser als nicht-konventionell bezeichneten Vorkommen übersteigt damit um das 2- bis 7-fache Deutschlands konventionelle Erdgasreserven und -ressourcen.

Welche Risiken birgt Fracking?

Die Bohrung durchstößt auf ihrem Weg ins Gestein Grundwasserhorizonte. Um die Verunreinigung des Grundwassers zu vermeiden, ummantelt man die Förderrohre mit Zement. Kritiker bezweifeln aber, dass es eine Garantie für die dauerhafte Abdichtung der Bohrung gibt. Zudem könnten sich die erzeugten Risse ungewollt weiter ausbreiten und eventuell mit natürlichen Gesteinsrissen verbinden, wodurch Gas und giftige Chemikalien bis in das Grundwasser aufsteigen und Trinkwasser auf Jahre verseuchen könnten.

BGR-Wissenschaftler haben beispielhaft Modellberechnungen zur Rissausbreitung und mögliche Gefahren durch Erdbeben betrachtet. Das Ergebnis: Wenn Gesetze eingehalten, die erforderlichen technischen Maßnahmen getroffen und standortbezogene Voruntersuchungen durchgeführt werden, ist aus geowissenschaftlicher Sicht ein umweltverträglicher Einsatz dieser Technologie möglich. Fracking und Trinkwasserschutz sind also grundsätzlich vereinbar, heißt es.

Fracking Song

Was macht Fracking so attraktiv?

Beispiel Schieferöl: Nach einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC könnte eine konsequente Erschließung der weltweiten Vorkommen den Ölpreis langfristig sinken lassen. Mit Fracking könnte Rohöl im Jahr 2035 um bis zu 40 Prozent billiger sein als bisher angenommen (133 US-Dollar je Barrel), schätzen Experten.

Das hätte direkte Folgen für die Weltwirtschaft: Dank der günstigeren Erdölversorgung könnte das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in 22 Jahren um bis zu 2,7 Billionen US-Dollar oder 3,7 Prozent über der bislang prognostizierten Wirtschaftsleistung liegen. Für die deutsche Wirtschaft gehen Experten von einem zusätzlichen Wachstum von bis zu 4,7 Prozent aus.

Wo und wann wird gefrackt?

Während das Fracking von Schieferöl in den USA gerade erst anläuft, ist die Gasproduktion bereits derart fortgeschritten, dass die Preise im freien Fall sind. Nach Höchstständen von über 13 US-Dollar pro Mio. British Thermal Unit (BTU) befindet sich der Gaspreis aktuell auf einem Niveau von unter 3,50 US-Dollar. Die USA decken schon heute nahezu vollständig ihren Inlandsbedarf und werden in absehbarer Zeit zum Erdgas-Exporteur – ein Standortvorteil für die amerikanische Wirtschaft.

In Europa ist die Situation eine andere. Schieferölvorkommen werden wegen massiv vorgetragener Umweltbedenken so gut wie gar nicht erschlossen, auch bei der Schiefergas-Förderung stockt es. Grund: Im Gegensatz zu den USA würde in Europa meist in dicht besiedelten Gegenden gefrackt, und dagegen wehren sich Anwohner, Bürgerinitiativen und Umweltverbände mit vereinten Kräften.

Scheinbar mit Erfolg, denn die Politik reagiert bereits: Bundesumweltminister Peter Altmaier hat jüngst verkündet, die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Fracking einzuschränken. In Trinkwasserschutzgebieten soll es ganz verboten werden, und für alle anderen infrage kommenden Gebiete will Altmaier den Riegel der Umweltverträglichkeitsprüfung vorschieben.

Fazit

Auch wenn die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe grünes Licht für die Schiefergas-Förderung gibt, Fracking steht in Deutschland unter keinem guten Stern. Zwar könnte laut BGR Schiefergas aus heimischen Vorräten dazu beitragen, den Rückgang der Erdgasförderung durch die Erschöpfung der bekannten Lagerstätten aufzufangen.

Doch in Anbetracht der Wirtschaftlichkeit und strenger Umweltauflagen wird der tatsächlich nutzbare Anteil der ermittelten Schiefergas-Ressourcen relativ gering ausfallen. Deutlich spürbar profitiert Deutschland vom Fracking wohl nur indirekt durch die Ausbeutung der größten Vorkommen in den USA und China und dem zu erwartenden Ölpreisverfall.

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