Top-Exportmärkte 2013

Neugeschäfte-Geheimtipps für den Mittelstand

Nachbarländer wie Frankreich oder die Niederlande zählen schon seit langem zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands – auch 2012 wieder. Doch die größten Wachstumspotenziale für 2013 und die weitere Zukunft sehen Experten angesichts der Euro-Schuldenkrise ganz woanders. Wirtschaftsforum.de nennt die aktuell aussichtsreichsten Exportmärkte für den deutschen Mittelstand – darunter auch echte Geheimtipps.

Top-Exportmärkte 2013: Wo der Mittelstand die besten Neugeschäfte macht

Top-Exportmärkte 2013: Wo der Mittelstand die besten Neugeschäfte macht

Viele exportorientierte Mittelständler stellen sich die Frage, wohin sie noch exportieren sollen, um weiter zu wachsen. Im konjunkturell kriselnden Europa ist vorerst nicht viel zu holen. Zuwächse im deutschen Export werden immer mehr außerhalb der EU erzielt. Während die Lieferungen in die Eurozone 2012 um 2,1% sanken, nahmen die Exporte in EU-Drittländer um 8,8% zu. Doch wo können kleinen und mittleren Unternehmen 2013 gute Neugeschäfte machen?

Die Außenhandelsagentur Germany Trade and Invest (GTAI) hat für ihre Studie „Top-Exportmärkte 2013“ 73 Länder auf die besten Exportchancen für den deutschen Mittelstand analysiert. Ergebnis: Zu den besonders attraktiven Märkten gehören ferne Länder und Regionen wie Westafrika, ASEAN (Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam), Chile, Kanada aber auch das Baltikum und Polen.

Top-Exportmarkt: hohes Wachstum, stabile Verhältnisse und interessanter Markt

Zwar können sie traditionelle Märkte wie die EU, die USA oder die BRIC-Staaten nicht verdrängen, aber laut GTAI zeichnen sich alle Top-Exportmärkte unter anderem durch ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum, ein stabiles Geschäftsumfeld und ein für den deutschen Mittelstand besonders interessanten Markt aus.

Bestes Beispiel: die ASEAN-Region. Für deutsche Exporteure ist die Region, für die in den nächsten fünf Jahren ein BIP-Zuwachs von 6% pro Jahr erwartet wird, ein überaus zukunftsträchtiger Absatzmarkt, so GTAI. Auch die 2015 geplante Einführung der ASEAN Economic Community (AEC) lockt Lieferanten und Investoren durch expandierende Industrien und eine kaufkräftige Mittelschicht.

Stehaufmännchen Thailand und „Shooting Star“ Myanmar

Thailand ist das Stehaufmännchen unter den Top-Exportmärkten. Nach der verheerenden Flutkatastrophe 2011 hat das Land überraschend schnell wieder Fuß gefasst. Hohe Investitionen in Hochgeschwindigkeitsnetze sowie die Bereiche Wassermanagement und Flutprävention, Energieversorgung und Telekommunikation versprechen neue Aufträge, heißt es.

Nach dem Aufheben der Wirtschaftssanktionen entwickelt sich Myanmar, das frühere Birma oder Burma, geradezu zum „Shooting Star“. Das rohstoffreiche Land hat mit seinen 64 Millionen Einwohner einen enormen Nachholbedarf im Infrastruktur- und Industriesektor, von dem deutsche Exporteure bereits profitieren. Zwar betrug das BIP 2011 nur 51,4 Milliarden US-Dollar, aber die GTAI-Experten rechnen mit einem hohen Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren. 2013 soll die Wirtschaft um über 5% wachsen.

Experten: Westafrika verdient mehr Aufmerksamkeit

Trotz aller Probleme verdient der westafrikanische Markt mit seinen etwa 350 Millionen Einwohnern mehr Aufmerksamkeit, sagen Experten. BIP-Wachstumsraten von 6 bis 7% lassen nämlich auf gute Geschäfte hoffen. Nigeria wird voraussichtlich bis 2025 Südafrika als größte Volkswirtschaft ablösen. Der Wohlstand im Land wächst und damit auch der Markt für deutsche Firmen in konsumnahen Bereichen. Auch im Infrastruktursektor, der dringend ausgebaut werden muss, winken interessante Aufträge.

Weil die Wirtschaft seit Jahren stark wächst, zählt Ghana zu den so genannten „afrikanischen Löwen“ - in Anlehnung an den Begriff der asiatischen Tigerstaaten. Eine gute Sicherheitslage und politische Stabilität sorgen dafür, dass Unternehmer und Geldgeber dem Markt immer mehr vertrauen. Zahlreiche Investitionen und umfangreiche Geberhilfen machen den zweitgrößten Markt Westafrikas für GTAI zu einem Top-Exportmarkt.

Baltische Staaten dynamischste EU-Märkte

Nach der Überwindung einer schweren Wirtschaftskrise sehen Experten in den drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen 2013 die dynamischsten Märkte in der EU. Deutsche Unternehmen lieferten nach Angaben von GTAI in elf Monaten des vergangenen Jahres Waren im Wert von mehr als 5 Milliarden Euro in diese drei Länder. Chancen eröffnen die Maschinen- und Anlagenkäufe der wieder gut ausgelasteten Unternehmen und zahlreiche Infrastrukturvorhaben.

Mit einem erwarteten BIP-Zuwachs von 1,8% liegt Polen auch 2013 weit über dem EU-Durchschnitt. Deutsche Unternehmen lieferten 2012 mit über 40 Milliarden Euro ein Fünftel der polnischen Warenimporte. Aus polnischer Sicht ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Handelspartner, so GTAI. Exportchancen für deutsche Unternehmen bieten neben den mit EU-Mitteln finanzierten Vorhaben auch die Bereiche Energie, Chemie, Medizin- und Bahntechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie die Nahrungsmittelindustrie.

Amerikanischer Kontinent: Großprojekte in Chile und Kanada geplant

Trotz ungünstiger globaler Rahmenbedingungen kann Chile 2013 mit einem Realwachstum von 4,8% rechnen, was der höchste Wert unter den OECD-Staaten wäre. Im Bergbau sollen bis 2020 insgesamt 100 Milliarden US-Dollar investiert werden. Aber auch ehrgeizig konzipierte Solarkraftwerke, neue Stromnetze und sonstige Infrastrukturprojekte bieten große Chancen für internationale Anbieter, meinen GTAI-Experten. Allein in der Hauptstadt sorgen die Expansion der Stadtautobahn und U-Bahn für Aufträge in Milliardenhöhe. Hinzu kommen Hafenbauten und die Erweiterung vom internationalen Flughafen der Hauptstadt Santiago de Chile.

Kanada, der zweitgrößte Flächenstaat der Erde nimmt auch 2013 innerhalb der G7-Staaten mit einem realen BIP-Plus von 2% eine Spitzenposition ein, schätzt GTAI. Die Niedrigzinspolitik der Regierung sorgt für eine lebhafte Investitionstätigkeit der Unternehmen. Auch die Konsumlaune der 35 Millionen Kanadier ist ungebrochen. Die Einfuhren aus Deutschland legten in den ersten elf Monaten 2012 um über 22% auf 8,3 Milliarden Euro zu. Und die Chancen stehen gut, dass sich dieser Trend auch in den nächsten Jahren fortsetzt, meinen Experten. Bis zum Jahr 2022 sollen nach GTAI-Schätzungen rund 140 Milliarden US-Dollar in Bergbauprojekte investiert werden.

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